Die Künstler bei „Palatia Jazz" - Solveig Slettahjell

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Ruhige Klänge aus dem hohen Norden

 

Die norwegische Sängerin Solveig Slettahjell kommt mit ihrem „Slow Motion Quintett" in den Mußbacher Herrenhof

 

Aus Norwegen kamen in den vergangenen Jahren einige sehr interessante Sängerinnen, die mit Folk oder Jazzpop die Musikfreunde erfreuten. Solveig Slettahjell (sprich: Sulwej Schlettajell) gehört unbedingt dazu. Sie zählt in ihrem Heimatland schon lange zu den beliebtesten Interpretinnen und stößt nun auch international auf euphorische Resonanz. Beim Festival „Palatia Jazz" gastiert die Musikerin mit der sanften Folkstimme am 3. Juni im Herrenhof in Mußbach. 

Geboren wurde die Sängerin 1971 in der Nähe von Oslo und begann mit sieben Jahren im Chor zu singen. Als Jugendliche interpretierte sie ihre eigenen Adaptionen von Hymnen, Spirituals und norwegischen Folksongs ebenso wie erste eigene Kompositionen. Jazz studierte sie an der „Norwegischen Musikakademie". Wesentliche Impulse erhielt sie hier von der Sängerin Sidsel Endresen, die ihre Lehrerin war. Die renommierte Künstlerin verpflichtet ihre ehemalige Studentin bis heute noch für diverse eigene Projekte.

An der Jazzakademie, wo sie mittlerweile selbst unterrichtet, traf Solveig Slettahjell auch auf den Pianisten Håkon Hartberg, mit dem sie das „Slettahjell/Hartberg Duo" formierte. Ihr Repertoire bestand aus eigenen Versionen von Country-Songs, Jazz-Standards, norwegischen Folksongs, Kinderliedern sowie Musik von Prince, Tom Waits oder anderen Popgrößen. Es sollte Slettahjells wichtigstes musikalisches Projekt bis 1996 bleiben, und aus solchen Stilverschränkungen gewinnt ihre Musik bis heute ihren ganz eigenen Reiz.

Gesang in all seinen Möglichkeiten und Schattierungen spielte immer schon eine wichtige Rolle für die Musikerin, drum war sie mehrere Jahre Mitglied in verschiedenen Vokalensembles. Im Trio „von Drei", das sich auf klassische zeitgenössische Musik und improvisierte Musik spezialisierte, ebenso wie im experimentellen norwegischen Vokal-Quartett „Kvitretten", das Eigenkompositionen der vier Vokalistinnen ebenso wie Stücke zeitgenössischer norwegischer Jazzmusiker im Programm hatte. Als Gast ist Solveig Slettahjell auf mehreren Einspielungen zu hören, darunter auf Jon Balkes „Batagraf". Ihre eigene Musik verwirklicht die Sängerin mit ihrem „Slow Motion Quintett", mit dem sie auch in Mußbach antreten wird. Für das Album „Silver" erhielt sie 2005 den norwegischen „Grammy".

Die Kunst der Langsamkeit zelebriert die norwegische Sängerin mit ihrem „Slow Motion Quintett" höchst eingebungsvoll. Ruhig fließende Klänge, Emotionen im Zeitlupentempo, zwischen halbwachem Bewusstsein und Träumen geben ihrer Musik einen ganz eigenen Reiz. „Ich glaube, das verstärkt die Poesie und die Bedeutung jedes Wortes - es ist auch für die Texte wie ein Vergrößerungsglas", erklärt die Sängerin die Bedeutung der langsamen Tempi.

Das klingt nicht selten wie Musik von Tom Waits, von dem sie gleichfalls Songs im Repertoire hat. „Wenn ich nach Songs für ein neues Album suche, dann höre ich eine Menge Lieder und singe eine Menge, ich wälze Bücher und spreche mit Leuten, die Songs für mich schreiben können, und ich schreibe selbst welche. Das Wichtigste aber ist, dass die Songs diesen Punkt in mir treffen, dieses Gefühl Ich kann dieses Lied auf meine Art singen, es zu meinem eigenen machen"." Dazu gehört auch die Einverleibung altbekannter Standards, die eine ganz eigene elegische Poesie gewinnen im Spiel der Band.


Gefunden hat sie ihre Kollegen alle in der experimentierfreudigen Osloer Jazzszene. Ihre Mitmusiker begnügen sich denn auch nicht mit der pauschalen, akademischen Begleitung einer Sängerin, sondern schaffen gemeinsam mit ihr einen Gruppensound, der ebenso homogen wie einzigartig ist. Erfüllt von mystischen Stimmungen und poetisch-hypnotischen Sounds, die in ihrer Rätselhaftigkeit eben nur hoch im Norden Europas so schön gedeihen können.


Info


Solveig Slettahjell und ihr „Slow Motion Quintett" sind am Samstag, 3. Juni, ab 20 Uhr im Festsaal des Mußbacher Herrenhofs zu erleben. Einlass ab 18 Uhr (kulinarisches Rahmenprogramm). Karten unter 06326/967777 oder über das Internet unter www.palatiajazz.de.

 

Von unserem Mitarbeiter Rainer Köhl

 

Quelle: 
Publikation: DIE RHEINPFALZ 
Regionalausgabe: Mittelhaardter Rundschau 
Datum: Nr.119 
Datum: Dienstag, den 23. Mai 2006 
Seite: Nr.21 
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